Verein für Betroffene, Partner und Gegner von sexuellem Kindesmissbrauch

Verein für Betroffene, Partner und Gegner von sexuellem Kindesmissbrauch

6.09.10 21:39
Deutschland

Sexuelle Übergriffe an
Kindern in Deutschland bis jetzt :
179209
Das Schulprojekt 


Projektvorstellung:

1.1 Idee

Die verbreiteten Vorstellungen, was sexueller Kindesmissbrauch überhaupt ist, sind fern von der Realität. Selten ist es der Fremde, der das Kind auf der Straße abfängt, entführt und missbraucht oder sogar tötet. Die meisten Übergriffe geschehen vielmehr in der eigenen Familie oder im Bekanntenkreis des Kindes. Die Täter/innen sind Väter, Mütter, Stiefväter und -mütter, Onkel und Tanten, Freunde der Eltern, Opas und Omas, Väter oder Mütter von befreundeten Kindern, Brüder, Schwestern, Trainer, Jugendgruppenleiter etc. Die Warnung vor dem Fremden ist zwar nicht unnötig, aber völlig unzureichend.

Zu den "Symptomen", die durch sexuellen Kindesmissbrauch bei dem betroffenen Kind ausgelöst werden können, gehören u. a. Traurigkeit, Zurückgezogenheit, Isoliertheit, selbstverletzendes Verhalten, Aggressivität, "unerklärliche" körperliche Beschwerden, Flucht in Fantasiewelten.

Bei sexuellem Kindesmissbrauch spielen Langzeitfolgen ebenfalls eine wesentliche Rolle. Erwachsene, die in der Kindheit sexuell missbraucht worden sind, haben oft ihr Leben lang mit Folgen zu kämpfen: Betroffene haben sehr häufig Beziehungsprobleme, Probleme mit dem eigenen Körper und der eigenen Sexualität, mangelndes Selbstbewusstsein...

Betroffene Kinder sind wehrlos und vollkommen auf sich gestellt. Sollten sie sich dem Druck des Täters tatsächlich widersetzen und sich jemandem anvertrauen, wird ihnen sehr häufig noch nicht einmal geglaubt. Kinder müssen sich statistisch gesehen 7 verschiedenen Stellen anvertrauen, bis sie endlich Hilfe bekommen. Die Prävention ist also für Kinder dringend erforderlich - und sie muss auch unbedingt für Lehrer und Eltern angeboten werden.

Es gibt inzwischen eine gewisse Anzahl an Präventionsangeboten verschiedenster Art (Programme/Schulungen von ortsansässigen Beratungsstellen, Aktionstage, Theaterstücke, etc.). Die Kinder in Schulen und Kindergärten jedoch haben nur selten die Chance, solch ein Angebot in Anspruch zu nehmen. Zum einen liegt dies an der oft noch fehlenden Erkenntnis der Bildungsstätten, dass diese Präventionsmaßnahmen zu diesem Thema wichtig und notwendig sind. Zum anderen kosten die Veranstaltungen fast alle Geld, was Schulen und Kindergärten oftmals abhält, sie in Anspruch zu nehmen.

Wir wollen die Kinder (Schulen, Kindergärten, etc.) und die Präventionsprogramme aktiv zusammenführen. Nach erfolgreicher Testphase soll gegen-missbrauch dauerhaft als Mittler zwischen Schulen/Kindergärten und Präventionsangeboten fungieren. Wir erfinden das Rad nicht neu, sondern bringen zusammen, was zusammen gehört.



1.2 Umsetzung

 

Das Projekt läuft in Hamburg an und soll bei erfolgreicher Umsetzung auf das gesamte Bundesgebiet Deutschland ausgedehnt werden. Dazu wurden im 2. Halbjahr 2004 Hamburger Schulen befragt, ob und welche Präventionsmaßnahmen bereits angeboten würden. Abgesehen von der geringen Resonanz auf die Umfrage, war das Ergebnis erwartungsgemäß erschreckend: ~ 99 % der Schulen bieten kein Angebot zur Prävention. Einige gaben an, mit der Organisation REBUS zusammen zu arbeiten, welche in Akutfällen tätig wird. Häufig lautete die Antwort "kein Bedarf".
Zunächst muss der Kontakt sowohl zu Schulen, als auch zu den Beratungsstellen und Präventionsangeboten geknüpft werden. Sie sollen über das Vorhaben und dessen Umsetzung informiert und zur Zusammenarbeit aufgefordert werden. Die Vorstellungen der teilnehmenden Parteien werden erarbeitet und von gegen-missbrauch verwaltet.

Gegen-missbrauch e. V. wird den Schulen die geeigneten Präventionsangebote vorstellen und mit ihnen besprechen, welches im individuellen Fall in Frage kommt. Ein Termin wird mit dem entsprechenden Projekt vereinbart, an dem die Präventionsmaßnahme umgesetzt werden soll. Die Finanzierung muss individuell geklärt werden.

Lösungsmodelle zur Finanzierung der Präventionsmaßnahmen:

a) Schule übernimmt Kosten des Präventionsangebotes
Hierbei übernimmt die Schule die Kosten in Höhe von ca. 250,00 € (Veranstaltung für Kinder) - 600,00 € (Veranstaltung für Eltern, Lehrer und Kinder) für das Programm.
b) Elternschaft trägt Kosten des Programms
Die Eltern werden entweder zu einer gemeinschaftlichen Zahlung der Präventionsmaßnahme aufgefordert oder vorab um Spenden für das Projekt gebeten. Sollte der Betrag dadurch nicht ganz gedeckt werden, ergänzt gegen-missbrauch e. V. mit Spendengeldern.
c) gegen-missbrauch e. V. stellt Sponsoren für die Umsetzung des Projekts
Nach individueller Absprache mit den Schulen wird gegen-missbrauch e. V. in Einzelfällen für die Finanzierung der Maßnahme eintreten. Dies geschieht durch Spenden- und Fördergelder oder auch durch spezielle Partnerschaften durch Sponsoren.
d) Die Schule organisiert Benefizveranstaltung
z. B. einen Musikabend, ein Schulfest oder einen Aktionstag, bei dem alle Einnahmen/Spenden zugunsten gegen-missbrauch e. V. gehen. Gegen-missbrauch e. V. wird im Gegenzug die Kosten für das Präventionsprogramm übernehmen, unabhängig davon, ob die Einnahmen den geforderten Betrag decken oder nicht.

Kombinationen der Finanzierungsansätze sind möglich. Gegen-missbrauch e. V. erwartet keine finanzielle Leistung für die Durchführung des Schulprojekts!



1.3 Ziele

 

Die Präventionsmaßnahme soll zunächst einmalig, dann regelmäßig (möglichst 1 x jährlich) an allen Hamburger Schulen durchgeführt werden. Da es sich hierbei um > 200 Schulen handelt, wird allein dies über ein Jahr andauern. Wenn das Projekt erfolgreich angelaufen ist, soll es sich auch auf Kindergärten und auf das gesamte Bundesgebiet ausbreiten.

In den nächsten 6 Monaten sollen die Schulen über das Projekt informiert werden, sodass die Umsetzung an zumindest 10 ersten Schulen bis Ende 2005 als Testphase erfolgen kann.

Probleme werden zum einen entstehen, da die Kapazität der angebotenen Präventionsprogramme zZ. noch begrenzt ist, sodass es schwierig wird, jede Schule ein mal pro Jahr zu erreichen. Langfristig werden sicherlich die Anbieter der Präventionsmaßnahmen ihr Personal erhöhen müssen, was wir gerne fördern würden. Zunächst jedoch müssen sie das Projekt anerkennen und es unterstützen wollen, was sich leider oft aufgrund von Konkurrenzdenken und Voreingenommenheit verschiedener Beratungsstellen als schwierig erwiesen hat. Die Schulen und später auch Kindergärten müssen überzeugt werden, dass es einen Bedarf zur Prävention gegen sexuellen Kindesmissbrauch gibt. Und nicht zuletzt könnte es hier und da Schwierigkeiten bei der Finanzierung geben, sodass wir langfristig auf Fördergelder angewiesen sein werden.



2. Umfeld

 

Sexueller Missbrauch ist eine Straftat. Dunkelziffern zufolge werden allein in Deutschland jedes Jahr mehr als 200.000 Kinder sexuell missbraucht. Dabei finden die Übergriffe in bis zu 90 % im familiären Umkreis statt und ziehen sich durch alle Gesellschaftsschichten. Statistisch gesehen ist jedes 4. - 5. Kind betroffen. Es ist also davon auszugehen, dass es in jeder Bildungsstätte betroffene Kinder/Jugendliche gibt.

Leider ist sexueller Missbrauch immer noch ein Tabuthema. Obwohl es bereits einige Präventionsangebote gibt, erreichen diese längst nicht ausreichend die gefährdete Gruppe: die Kinder/Jugendlichen.

Mit unserem Projekt möchten wir so viele Kinder/Jugendliche wie möglich erreichen. Dabei verstehen wir uns keinesfalls als Konkurrenz zu Beratungsstellen oder anderen Organisationen, sondern als aktives Bindeglied zwischen eben diesen und der Zielgruppe (vornehmlich Kinder & Jugendliche, aber auch Eltern, Lehrer, etc.). Das Projekt schließt sich somit z. B. dem Bundesverein und www.schulischepraevention.de an - unterscheidet sich aber, indem wir aktiv auf die Schulen, Kindergärten etc. zugehen und sie mit entsprechenden Präventionsprogrammen zusammenführen, ggf. auch bei der Finanzierung behilflich sind. Wir freuen uns nicht nur über eine Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, sondern sind auch auf deren Hilfe/Unterstützung angewiesen.



3. Team

Der Verein gegen-missbrauch e. V. entstand aus einer Privatinitiative von Ingo Fock (1. Vorsitzender) und Isabel Brockhöfer (2. Vorsitzende), die im Februar 2002 ihren Ursprung in Form einer Internetseite fand, welche über sexuellen Kindesmissbrauch und dessen Folgen informierte. Zusätzlich zum Informationsangebot, entstand eine Online-Plattform, auf der Betroffene, Angehörige, aber auch Menschen, die bisher mit der Thematik Missbrauch keinen Kontakt hatten, den Austausch suchten. Inzwischen ist diese Plattform ein rege genutztes Selbsthilfeangebot geworden und seit Juli 2003 aus www.gegen-missbrauch.de ein Verein.

Gegen-missbrauch e. V. hilft aber auch längst schon auch außerhalb der virtuellen Welt. Betroffene werden zu Arztterminen, Behördengängen und Beratungsstellen begleitet und wir setzen uns für die Übernahme der Therapiekosten durch Krankenkassen ein und vieles mehr. In Einzelfällen können diese Kosten sogar von gegen-missbrauch übernommen werden. Kurzum: wir helfen individuell, denn jeder Betroffene braucht auf ihn abgestimmte Unterstützung.

Unser festes Team besteht aus 5 Personen - vier davon sind selbst Überlebende sexueller Gewalt, einer ist Angehöriger einer Betroffenen. Ergänzt wird dieses Team seit langem durch den Psychotherapeuten Hans Saloga aus München, der nicht nur dem Team, sondern vor allem den Usern unserer Internetplattform beratend zur Seite steht. Diese Teammitglieder arbeiten selbstständig und tauschen sich im Grunde täglich über das Internet und/oder telefonisch aus. Zusätzlich bilden aktive Mitglieder des Vereins eine Helfergruppe für die verschiedensten akuten oder langfristigen Aufgaben, die es zu erledigen gilt.

Das "Schulprojekt" wird von der 2. Vorsitzenden Isabel Brockhöfer geleitet und mit einem weiteren Teammitglied zusammen in Hamburg begonnen. Da alle Teammitglieder ausschließlich ehrenamtlich für den Verein tätig sind und die meisten hauptberuflich erwerbstätig sind, gestaltet sich die Umsetzung spätestens ab dem Zeitpunkt schwierig, in dem das Projekt den Hamburger Raum verlässt und überregional zur Geltung kommt. Dauerhaft benötigen wir also weitere ehrenamtliche Mitarbeiter, die für die bundesweite Umsetzung des Projektes sorgen. Da das Konzept an sich aber einfach ist, lässt es sich verhältnismäßig einfach umsetzen, sofern die notwendigen Beratungsstellen/Präventionsanbieter bereit sind, mitzuwirken.



4. Öffentlichkeitsarbeit

 

Zu gegebenem Zeitpunkt ist über das Schulprojekt noch nicht in der Presse berichtet worden. Über gegen-missbrauch e. V. gab es schon diverse Medienberichte, sowohl in der Presse (zum Teil im Anhang), als auch im Fernsehen und Radio.

Im Rahmen des Schulprojekts ist der Hauptansprechpartner die 2. Vorsitzende, Isabel Brockhöfer. Daneben kann immer auch der 1. Vorsitzende Ingo Fock zu sämtlichen Geschehnissen rund um den Verein kontaktiert und befragt werden.

Allen Hamburger Schulen werden demnächst ein Konzept für unser Schulprojekt erhalten, in welchem Eckdaten zum Thema kommuniziert werden und unser Projekt vorgestellt wird.

Sobald dem Projekt die Zusammenarbeit mit Präventionsanbietern sicher ist, wird gegen-missbrauch e. V. auch sämtliche zur Verfügung stehende Medien um Beiträge und Publicity bemühen. Dazu werden Fernseh- und Radioauftritte nicht gescheut, hauptsächlich möchten wir aber die Printmedien erreichen. Plakate und Flyer von gegen-missbrauch e. V. werden verstärkt in den Projektzonen aufgehängt (zunächst Hamburg).

Nach Anlauf des Projektes sollen außerdem Sponsoren gefunden werden, sowie Fördergelder von Bund und Ländern beantragt werden, um die Dauerhaftigkeit des Projektes zu sichern.



Haben Sie noch Fragen ? Nutzen Sie unseren Kontaktbereich und wählen Sie als Ansprechpartner Projekt Präventionen Schulen.
 

 

 




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